Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

Bildleiste
  
Navigationslinks überspringenStartseite  |  Orte und Räume  |  Gebiete vor 1789  |  Herrschaften  |  Stavelot

Reichsabtei und Fürstentum Stavelot-Malmedy

Die Gründung der Doppelabtei Stavelot – Malmedy geht auf die Jahre 647-650 zurück, als König Sigebert III. von Austrasien Auch Austrien, Bezeichnung für den östlichen Teil des fränkischen Herrschaftsgebietes. Zusammen mit Neustrien und Burgund bildete es das Frankenreich. Durch die Reichsteilungen von 511, 561 und 567 entwickelte sich Austrasien vom Reichsteil zum Teilreich, dessen Politik durch den Gegensatz von Königtum und Adel (insbesondere der aufsteigenden Hausmeier) gekennzeichnet war. Der Sieg des austrasischen Hausmeiers Pippin der Mittlere über den neustrischen König und seinen Hausmeier 687 führte zur Einigung des Frankenreichs unter austrasischer Vorherrschaft. einer wohl nach der Regel des Heiligen Kolumban lebenden Mönchsgemeinschaft ein Gebiet von 12 Meilen Durchmesser im Königswald „Arduinna" übertrug.

Im Zuge einer Neubegrenzung wurde der Abteibezirk jedoch bereits 670 um die Hälfte verkleinert. Zum ersten Abt hatte Sigebert III. Remaklus (Rimaglius) bestimmt, der zuvor der Abtei Solignac vorgestanden hatte. Dieser verstarb 671 in Stavelot und wurde schon bald als Heiliger verehrt. Aus der Geschichte der Abtei ragen, neben Remaklus, drei Äbte besonders hervor: Poppo (1020-1048), der sie zu einem Zentrum cluniazensischer Reform machte und als Ratgeber Kaiser Heinrichs III. fungierte; sodann Wibald (1130-1158), einer der gelehrtesten Männer seiner Zeit, der im Dienste mehrerer deutscher Herrscher eine weit gespannte politische Tätigkeit entfaltete und von Kaiser Lothar III. (Regierungszeit 1125-1137) die so genannte „Goldene Bulle Von Kaiser Karl IV. (Regierungszeit 1346-1378) auf dem Reichstag zu Nürnberg verkündetes Gesetz. Die Goldene Bulle war in ihrer Wirkung  das bedeutsamste Gesetz des Heiligen Römischen Reiches und blieb bis zu dessen Auflösung 1806 in Kraft. Es regelte erstmals und endgültig den Modus der Königswahl und die Stellung der Kurfürsten. Unter anderem legte es Aachen als rechtmäßigen Krönungsort der deutschen Könige fest und den Kölner Erzbischof als den rechtmäßigen Koronator. " erwirkte, die die Zugehörigkeit zum Reich „auf ewige Zeiten" festschrieb; schließlich Wilhelm von Manderscheid (1499-1546), der Stavelot-Malmedy aus dem geistlichen und wirtschaftlichen Ruin in eine neue Zukunft führte und nicht zu Unrecht als der zweite Gründer der Abtei bezeichnet wird.

Durch die Jahrhunderte blieb das innere Leben der Mönchsgemeinschaft, die in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts die Regel des Heiligen Benedikt angenommen hatte, vom Streit um die Vorrangstellung zwischen ihren zwei Standorten, geprägt, wobei deren Zugehörigkeit zu verschiedenen Diözesen eine nicht unwesentliche Rolle spielte. Malmedy, am Zusammenfluss von Warche und Warchenne gegründet, gehörte zum Erzbistum Köln, das rund 8 Kilometer weiter westlich an den Ufern der Amel gelegene Stavelot hingegen zum Bistum Lüttich. Dennoch blieben die beiden Konvente stets unter einem gemeinsamen Abt vereint. Trotz etlicher Verkäufe und mancher Übergriffe mächtiger Nachbarn war das Abteigebiet Ende des 18. Jahrhunderts immerhin noch 727 Quadratkilometer groß. Die rund 23.000 Untertanen des Fürstabts lebten, über eine Vielzahl kleiner Dörfer und Weiler verstreut, hauptsächlich von der Landwirtschaft.nach obenWachsende Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung der Fürstabtei gewannen allerdings im Laufe des 18. Jahrhunderts die Gerbereien von Stavelot und Malmedy, die Malmedyer Weberei und die 1761 von den Mönchen in Malmedy begonnene Papierherstellung. Die Städtchen Malmedy mit 3.500 und Stavelot mit 1.800 Einwohnern waren mit Abstand die wichtigsten Ortschaften des fürstabteilichen Territoriums. Dieses wurde 1795 von der Französischen Republik annektiert, die Mönchsgemeinschaft 1796 aufgehoben.

Die Konventsgebäude von Stavelot und Malmedy sind noch erhalten. Die unter Poppo in Stavelot errichtete große Kirche wurde in französischer Zeit größtenteils abgebrochen. Die im 18. Jahrhundert neu errichtete Abteikirche in Malmedy war von 1921 bis 1925 Kathedrale des kurzlebigen Bistums Eupen – Malmedy.

 

Quellen

Halkin, Joseph, Roland, C.-G., Recueil des chartes de l’Abbaye de Stavelot-Malmedy, 2 Teile, Brüssel 1909-1930.

 

Literatur

Berlière, Ursmer, Monasticon belge II, Province de Liège, Maredsous 1928, S. IX-XVI, S. 58-105.

Fabricius, Wilhelm, Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, Band 2, Die Karte von 1789, Bonn 1898, Nachdruck 1965, S. 338-339.

 

30.9.2010
Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.



Alfred Minke (Eupen)