Rheinischer Städteatlas Osterfeld. Teil 5: Wirtschafts- und Sozialstruktur, Statistik

Luftbild Osterfeld von 2005/06 im Verhältnis 1 : 10.000, Zusammensetzung der Orthobilder Klosterhardt, Osterfeld Heide, Osterfeld, Borbek, Vonderort und Fuhlenbrock (Die weißen Rahmen kennzeichnen die Urkartenausschnitte). (Landesvermessungsamt NRW)

5. 1 Einwohner- und Häuserzahlen

Ver­glei­che auch Kon­fes­si­ons­zah­len (IV 10)
1762 le­ben in Os­ter­feld 213 Ein­woh­ner in 28 Haus­hal­tun­gen (STAM Vest Reck­ling­hau­sen Statt­hal­ter 766)
1767 zählt das Kirch­spiel Os­ter­feld 29 Köt­ter und 10 Bau­ern (ebd. 300)
1782 432 Ein­woh­ner in 88 Fa­mi­li­en (Muh­le, S. 53f.)
1783 zählt Os­ter­feld 57 Häu­ser/Fa­mi­li­en mit Back­öfen (STAM Vest Reck­ling­hau­sen Statt­hal­ter 310 fol. 6)
1802 hat Os­ter­feld 335, Von­der­ort 187 Ein­woh­ner (Sta Reck­ling­hau­sen HAA IA Fach 4 53 fol. 95)
1803 zählt das zum Dorf Os­ter­feld ge­hö­ren­de Lehm­kuh­le 79, Os­ter­feld 56 Wohn­plät­ze (ebd. 6 6 fol. 5)
1811 Dorf und Com­mu­ne Os­ter­feld mit Von­der­ort 556 Ein­woh­ner (LAV NRW R Gro­ßhzt Berg 5782)
1813 zählt der Ort acht gro­ße, ei­ne mitt­le­re, 42 klei­ne Bau­ern­hö­fe, ins­ge­samt 51 Feu­er­stel­len, au­ßer­dem zwei Rit­ter­gü­ter und drei Müh­len (STAM Zi­vil­gou­ver­ne­ment 343a)

5. 2 Agrarwirtschaft, Fischerei

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Tab. 2: Einwohner- und Häuserzahlen 1762-1928. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

Acker- und Viehwirtschaft

(1150) ist der An­bau von Wei­zen, Rog­gen und Gers­te be­zeugt (I 3)
1266 wird auf Gut Von­dern Win­ter­wei­zen an­ge­baut (La­cour, S. 95f.)
1405 wird in Os­ter­feld Ha­fer an­ge­baut (Schet­ter, Re­ges­ten, S. 219)
1429 wird an der Knip­pen­burg und in Von­der­ort Wie­sen­wirt­schaft be­trie­ben (La­cour, S. 102)
1438 Wie­sen­wirt­schaft auf dem Wer­de­ner Hof Aren­bö­gel (ebd., S. 103)
1449 muss der Brock­hof (Gut Ho­vel) zwei­ein­halb Mal­ter Rog­gen, zwei Hüh­ner und 13 kur­k­öl­ni­sche Wei­ßp­fen­ni­ge Pacht an den Her­zog von Kle­ve ab­füh­ren (ebd., S. 106f.)
1477 Wie­sen­wirt­schaft auf Kle­ver Le­hen im Kirch­spiel Os­ter­feld (LAV NRW R Kle­ve Lehns­re­gis­ter 662)
1501 ist Wei­zen­an­bau in Os­ter­feld be­zeugt (Schet­ter, Re­ges­ten, S. 223)
1520 wer­den die Wei­de­rech­te für Scha­fe auf dem Bruch nach al­tem Recht fest­ge­legt (ebd., S. 227f.)
1555 wird um das Haus Von­dern Wie­sen­wirt­schaft be­trie­ben (La­cour, S. 116). 1596 wer­den die Wei­de­rech­te an der Em­scher zwi­schen Broick und Breill ge­le­gen an das Haus Von­dern ver­pach­tet (ebd., S. 121)
1633 be­treibt das Klos­ter Sterk­ra­de Pfer­de­zucht auf Os­ter­fel­der Ge­biet (LAV NRW R Sterk­ra­de Akt 27 fol. 59)
1660 baut der zum Stift Es­sen ge­hö­ren­de Ober­hof Bor­beck auf sei­nem Land in Os­ter­feld Rog­gen an. Au­ßer­dem wird Holz­wirt­schaft be­trie­ben (Bet­te, S. 228)
1693 baut das Gut Von­dern Ha­fer an (LAV NRW R Kk VII 86/5 fol. 303)
1699 wird un­ter an­de­rem im Be­reich der Hei­de Milch­wirt­schaft be­trie­ben (Schet­ter, Re­ges­ten, S. 245)
1736 R­in­der- und Schwei­ne­zucht, Milch­wirt­schaft auf dem Beck­mann­hof in Os­ter­feld (PfaO 1195)
1772 wird von den Rot­ten und Co­lo­na­ten des Hau­ses Ho­ve haupt­säch­lich Ge­trei­de (Rog­gen, Ha­fer, Gers­te, Wei­zen) an­ge­baut; eben­so 1844 (Sta Bot­trop A VII 3 2)
1782 Rog­gen-, Wei­zen- und Gers­ten­an­bau in Os­ter­feld (Sta Reck­ling­hau­sen HAA I A Fach 8 158 fol 64f.)
1793 Vieh­zucht auf den Wie­sen na­he dem Teich um die St. An­t­o­ny-Hüt­te (STAM Kft Köln Hof­rat Vest. Sa­chen 241 fol. 225-228)
(1850) wird in Os­ter­feld vor al­len Rog­gen­wur­zel, aber auch Rog­gen, Gers­te, Ha­fer, Klee und Raps an­ge­baut. Die Rog­gen­wur­zel dient als Nah­rungs­mit­tel für Mensch und Tier. Wie­sen­wirt­schaft fin­det vor al­lem na­he der Em­scher statt (PfaO 404 S. 2f.)
1878 ist die Vieh­zucht in Os­ter­feld rück­stän­dig, da die Milch meist ver­kauft und so die Vieh­zucht ge­hemmt wird (StaOb Amt O 42)
1912 wer­den vor al­len von in Zucht­ver­ei­nen or­ga­ni­sier­ten Berg­leu­ten Klein­vieh, zum Bei­spiel Zie­gen, Scha­fe und Hüh­ner, ge­hal­ten (StaOb Amt 0 489), au­ßer­dem gibt es Bie­nen­zucht (ebd. 50). Die Klein­tier­züch­tung wur­de un­ter an­de­rem von der Ge­mein­de Os­ter­feld und der Gu­te­hoff­nungs­hüt­te be­zu­schusst (ebd. 57). 1915 zählt Os­ter­feld 1833 vieh­hal­ten­de Haus­hal­te (STAM Kr. Reck­ling­hau­sen 260)
1917 wer­den aus­schlie­ß­lich Ge­trei­de so­wie Zwi­schen­früch­te an­ge­baut (ebd. 236)
1929 An­la­ge ei­ner Lehr- und Mus­ter­ge­flü­gel­farm auf Kel­ler­manns Hof (StaOb Amt O 985)

5. 2 Wein- und Gartenbau

1509 Gar­ten­land in Os­ter­feld (Schet­ter, Re­ges­ten, S. 225)
1624 wird in Os­ter­feld Wein an­ge­baut (La­cour, S. 126)
1912 grün­det sich der Obst- und Gar­ten­bau­ver­ein zwecks Ver­bes­se­rung des Obst­an­baus in Os­ter­feld (StaOb Amt O 54)
1917 k­ein land­wirt­schaft­li­cher Obst- oder Ge­mü­se­an­bau in Os­ter­feld (STAM Kr. Reck­ling­hau­sen 236)

5. 2 Holzwirtschaft

1564 be­treibt das Haus Ho­ve auf ei­nem Wald­stück in der Hei­de Holz­wirt­schaft (Schet­ter, Re­ges­ten, S. 233)
1690 be­sitzt der Pfar­rer von Os­ter­feld Rech­te auf das Holz aus dem Rothe­busch und bit­tet das Dors­te­ner Ge­richt um Durch­set­zung sei­ner Rech­te ge­gen Os­ter­fel­der Fa­mi­li­en (ebd., S. 244)
1691 wird den Ein­ges­se­nen der Kirch­spie­le Bot­trop und Os­ter­feld die Aus­fuhr von Brand­holz aus dem Vest ver­bo­ten (Sta Reck­ling­hau­sen HAA IB Fach 12, 31)
1810 hat der Graf zu West­er­holt das al­lei­ni­ge Recht zur Nut­zung des Rothe­busch ge­nann­ten Ge­höl­zes, die üb­ri­gen „Ge­mein­heits­ge­nos­sen“ nur zur Vieh­wei­de und Plag­gen­matt, le­dig­lich der Pas­tor und zwei wei­te­re Hö­fe dür­fen al­le sie­ben Jah­re sie­ben Fu­der Holz dar­aus be­zie­hen (Sta Reck­ling­hau­sen HAA IL Fach 78, 132 fol. 3)
1850 s­ind die be­deu­tends­ten Wal­dun­gen der Von­der­berg mit Rips­dör­nen des Gra­fen von Nes­sel­ro­de so­wie der Rothe­busch und By­fang, der dem Gra­fen von West­er­holt ge­hört. Ers­te­rer um­fasst 300, letz­te­rer 400 Mor­gen jun­ge Wal­dung, meist Kie­fern (PfaO 404)

5. 2 Fischerei

1405 Fi­sche­rei an der Em­scher (La­cour, S. 99) 
1441 wird be­zeugt, dass die Em­scher­fi­sche­rei bei Os­ter­feld zum Haus Von­dern ge­hört und von dort aus ab­wärts bis be­neden dat wa­ter­schap geht. Ost­wärts ver­lie­fe die Fi­sche­rei bis toe Kor­nop (Es­sen-Kar­nap). Ent­ge­gen der Rechts­la­ge las­sen dort im­mer wie­der die Es­se­ner Äb­tis­sin­nen zum Teil ge­walt­sam fi­schen. Da­bei hät­ten die bis­he­ri­gen Päch­ter die Ab­ga­ben re­gel­mä­ßig in Haus Von­dern ab­ge­ge­ben (ebd., S. 105f.)
1637 wird in der Elp (Müh­len­bach) Fisch­fang be­trie­ben. Die Fi­sche­rei wird vom Klos­ter Sterk­ra­de so­wie von ad­li­gen Fa­mi­li­en aus der Re­gi­on in An­spruch ge­nom­men (LAV NRW R Sterk­ra­de Akt 49 fol. 1-113)
1793 pro­zes­siert das Klos­ter Sterk­ra­de mit dem Gra­fen von Ai­cholt we­gen der Fo­rel­len­fi­sche­rei na­he der An­t­o­ny-Ei­sen­hüt­te. Ai­cholt be­grün­det sei­ne Rech­te da­mit, dass sei­ne Fa­mi­lie be­reits 1641 dort Fi­sche­rei be­trie­ben ha­be (ebd. fol. 158-176)
1793 ist die Nut­zung der Fisch­tei­che an der St. An­t­o­ny-Hüt­te nicht mehr mög­lich, da sie ver­schlam­men (STAM Kft Köln Hof­rat Vest. Sa­chen 241 fol. 225-228)

5. 3 Bergbau

1791 gra­ben Bau­ern im Auf­trag der St. An­t­o­ny-Hüt­te auf ves­ti­schem Ge­biet (un­ter an­de­ren in Os­ter­feld) nach Ra­sen­ei­sen­stein (STAM Vest Reck­ling­hau­sen Statt­hal­ter 721)
1803 gräbt Gott­lob Ja­co­bi na­he der St. An­t­o­ny-Hüt­te Lehm (LAV NRW R Sterk­ra­de Akt 49 fol. 177-186)
(1880) gra­ben die Fir­men Dick­mann und Klei­ne­fenn so­wie klei­ne­re Un­ter­neh­men Kies für den Bahn­bau. 1885 wird zum Trans­port des Kie­ses ei­ne Klein­bahn zum Bahn­hof Os­ter­feld-Süd er­rich­tet (V 4 Werks- und Pri­vat­bah­nen). 1950 sind noch zwei Kies­gru­ben (Feld­mann, Klei­ne­fenn) in Nut­zung (M. Mül­ler, Die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung Ober­hau­sens, 1950, S. 4)

5. 3 Formsandabbau

1805 fährt ein Fuhr­un­ter­neh­men Sand aus Os­ter­feld. Der Form­sand wird von der An­t­o­ny-Hüt­te für den Ei­sen­guß be­nö­tigt (STAM Vest Reck­ling­hau­sen Land­stän­de 426 fol. 2f.)
1852 be­ginnt die Klei­ne-Brock­hoff GmbH Form­sand im in­dus­tri­el­len Maß­stab in Os­ter­feld ab­zu­bau­en; 1968 Still­le­gung, 1996 Rück­zug aus dem Form­s­and­ge­schäft (D. Hell­mann, Die Form­s­and­grä­be­rei in Bot­trop, Os­ter­feld u. Kirch­hel­len, 1990)
1859 wird am Ku­sen­berg in Os­ter­feld durch den Päch­ter des Hau­ses Ho­ve Form­sand ge­werb­lich ab­ge­baut (Bohl­mann, Os­ter­feld, S. 8); 1920 Still­le­gung (B. Grü­ne­wald, Fest­schrift zur Er­in­ne­rung an d. Ver­lei­hung d. Stadt­rech­te an d. Ge­mein­de O i. W. am 27. Ju­ni 1921, 1922, S. 56)
1872 er­schlie­ßen die Fir­men Au­gust Dick­mann und Wil­helm Klei­ne­fenn ei­ne Form­s­and­gru­be in Von­der­ort auf dem Ei­gen­tum des Gra­fen von Nes­sel­ro­de. 1979 An­schluss der Gru­be Os­ter­feld an die West­fä­li­sche Bahn, Bahn­hof Os­ter­feld-Süd, 1884 an die Rhei­ni­sche Bahn; 1965 Still­le­gung der Gru­be (Hell­mann, Form­s­and­grä­be­rei)
(1880) gräbt der Be­sit­zer von Haus Ho­ve Sand in Von­der­ort. Klei­ne­re Sand­gru­ben sind au­ßer­dem am Ku­sen­berg, an der Vi­ka­ri­e­stra­ße, am Don­ner­berg in Be­trieb. Die Form­s­and­grä­be­rei hat ihr Zen­trum in Von­der­ort (ebd.)

5. 3 Kohlenbergbau

1847 s­ind vier Un­ter­neh­men im Be­sitz von Schürf­schei­nen auf Stein­koh­len in Os­ter­feld: Gut Von­dern, der Venn­bus­hof, die An­t­o­ny-Hüt­te so­wie der Hof Schrul­len­kamp. Al­le ha­ben das Recht, 500 Klaf­ter Koh­len pro Jahr ab­zu­bau­en (Sta Bot­trop A V 2, 4)
1854 er­fol­gen die ers­ten re­gel­mä­ßi­gen Koh­le­gra­bun­gen im Vest bei Haus Von­dern (ebd. 13)

Zeche Vondern

Im Be­reich der Ze­che Von­dern er­folg­ten die ers­ten Bohr­ver­su­che be­reits zwi­schen 1863 und 1865, als der Schacht Her­zog von Aren­berg ver­geb­lich ab­ge­teuft wur­de. 1898 star­te­te die Gu­te­hoff­nungs­hüt­te ei­nen er­neu­ten Ver­such, wo­bei der Schacht Von­dern zu­nächst nur als Wet­ter­schacht an­ge­legt wur­de. 1900 er­reich­te der Schacht Kar­bon bei ca. 167 Me­ter Tie­fe, die ers­te Soh­le wur­de bei 220 Me­ter, die zwei­te Soh­le bei 310 Me­ter an­ge­setzt. 1903 er­folg­te der Bau des Schachts zwei di­rekt ne­ben Schacht eins. 1905 be­gann die Ze­che Von­dern mit der Koh­len­för­de­rung. Be­reits 1906 er­folg­te der Durch­schlag der drit­ten Soh­le mit der Ze­che Ober­hau­sen, 1912 der Durch­schlag mit der Ze­che Ja­co­bi (StaOb Amt O 46). Die För­de­rung über die Ze­che Von­dern er­folg­te bis 1932. Nach der Still­le­gung wur­den die An­la­gen ab­ge­ris­sen, le­dig­lich die Schäch­te wur­den der Ze­che Ja­co­by zu­ge­schla­gen und blie­ben für Seil­fahrt und Ma­te­ri­al­trans­port bis 1965 in Nut­zung (G. He­ger­mann, Stein­koh­len­berg­bau in Ober­hau­sen 1847-1992, 1995) 1911 ar­bei­ten in der Ze­che Von­dern 2250 Ar­bei­ter in zwei För­der­schäch­ten (StaOb Amt O 46) 1917 ist die höchs­te För­der­ra­te der Ze­che er­reicht. Es wer­den in den Schäch­ten ins­ge­samt 685.000 Ton­nen Koh­le ge­för­dert (ebd.)

Zeche Jacobi

Die Ze­che Ja­co­bi wur­de 1910 von ei­ner Berg­werks­ge­sell­schaft ge­grün­det und ging 1916/17 an die Gu­te­hoff­nungs­hüt­te über. 1912 war der Teuf­be­ginn der Schäch­te 1 und 2, die ers­te Soh­le wur­de bei 345 Me­ter an­ge­setzt, die zwei­te Soh­le bei 444 Me­ter (ebd.). För­der­be­ginn war 1913 (Bohl­mann, Os­ter­feld, S. 8). 1924 er­folg­te der Durch­schlag zur Ze­che Franz Ha­ni­el, mit der die Ze­che Ja­co­bi 1965 ei­nen Ver­bund ein­ging. 1974 wur­de Ja­co­bi still­ge­legt, die Über­ta­ge­an­la­ge wur­den 1980 grö­ß­ten­teils ab­ge­ris­sen (F. Pamp, Ze­che Ja­co­bi, 1996, S. 85-88), 1943 er­reicht die Ze­che Ja­co­bi mit 2.054.970 Ton­nen Koh­le die höchs­te För­der­leis­tung. Die Ze­che zählt zu die­sem Zeit­punkt 5328 Mit­ar­bei­ter (ebd., S. 87)

Tab. 3: Zahl und Größe der landwirtschaftlichen Betriebe in Osterfeld 1816 (in preuß. Mg). (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

Tab. 4: Bodennutzung in Osterfeld 1850 (in preuß. Mg). (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

Tab. 5: Bodennutzung in Osterfeld 1885-1926 (in ha). (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

Tab. 6: Viehbestand 1782-1917. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

Tab. 7: Förderleistung und Beschäftigte im Steinkohlenbergbau in Osterfeld 1880-1930. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

Zeche Osterfeld

Die Ze­che Os­ter­feld ist die äl­tes­te der drei Ze­chen in Os­ter­feld. Die Pla­nung für Koh­len­ab­bau be­gann be­reits 1858, als an meh­re­ren Stel­len in Os­ter­feld nach Koh­le ge­sucht wur­de (PfaO 404 S. 274). Der Teuf­be­ginn war je­doch erst im Jahr 1873. Der so­ge­nann­te Schacht Ober­hau­sen 3b an der Ves­ti­schen Stra­ße ge­hör­te zu­nächst zur der von der Gu­te­hoff­nungs­hüt­te be­wirt­schaf­te­ten Ze­che Ober­hau­sen. 1876 er­reich­te der Schacht Kar­bon bei 237 Me­ter. Die ers­te Soh­le wur­de 1878 bei 276 Me­ter, die zwei­te Soh­le bei 377 Me­ter an­ge­legt. 1879 be­gann man mit der Koh­len­för­de­rung. Auf­grund der gu­ten La­ger­stät­ten­be­din­gun­gen wur­de der Schacht Ober­hau­sen 3 ei­gen­stän­dig und in Os­ter­feld 1 um­be­nannt (StaOb Amt O 46). Die Ze­che wur­de Ze­che Os­ter­feld ge­tauft. 1884 er­folg­te ein Durch­schlag zur Ze­che Ober­hau­sen, 1900 wur­de Schacht 2 als Wet­ter­schacht in Be­trieb ge­nom­men. Auf­grund des ho­hen Koh­len­be­darfs der Gu­te­hoff­nungs­hüt­te be­gann man be­reits ein Jahr nach För­der­be­ginn in Schacht 2 1903 mit der Ab­teu­fung von Schacht 3 und schuf ei­nen Durch­schlag zur Ze­che Sterk­ra­de. Da die Ze­che stark schlag­wet­ter­ge­fähr­det war, wur­de 1913 mit dem Ab­teu­fen ei­nes Wet­ter­schachts, des Schachts IV, be­gon­nen. 1932 er­folg­te der Aus­bau der Ze­che zu ei­ner Groß­schacht­an­la­ge, nach­dem die Ze­chen Sterk­ra­de, Ober­hau­sen und Hu­go Ha­ni­el aus der För­de­rung ge­nom­men wor­den wa­ren (Wa­ge­mann, S. 2; Bohl­mann, Os­ter­feld, S. 8). Wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs kam es zu grö­ße­ren Zer­stö­run­gen, ins­be­son­de­re Schacht 3 wur­de durch ei­nen Bom­ben­voll­tref­fer voll­stän­dig zer­stört und ging erst 1950 wie­der in Be­trieb (Paul-Reusch-Schacht). Nach der Zer­schla­gung der Gu­te­hoff­nungs­hüt­te ka­men die Os­ter­fel­der Ze­chen zu­nächst an die Berg­bau AG Neue Hoff­nung und 1951 durch Ak­ti­en­kauf an die Hüt­ten­wer­ke Ober­hau­sen AG (HO­AG). 1968 gin­gen die Berg­bau­be­trie­be der HO­AG an die Ruhr­koh­le AG (RAG), Berg­bau AG Ober­hau­sen, über. In den frü­hen 1970er Jah­ren er­reich­te die Ze­che ih­re höchs­ten För­der­leis­tun­gen. 1988 wur­de die Ko­ke­rei still­ge­legt und die Ze­che mit der Dins­la­ke­ner Ze­che Loh­berg mit ei­nem täg­li­chen För­der­vo­lu­men von 13.000 t Stein­koh­le und ei­nem Um­satz von 800 Mio. Mark jähr­lich (Wa­ge­mann, S. 2) ver­ei­nigt. Die För­de­rung in Os­ter­feld wur­de im Ja­nu­ar 1992 be­en­det. Nach­dem be­reits 1993/94 die Schäch­te Os­ter­feld 1, 3 und 4, Sterk­ra­de 1 und 2 so­wie Hu­go Ha­ni­el auf­ge­füllt wor­den wa­ren, er­folg­te 2007 auch die Ver­fül­lung des 1964 er­rich­te­ten Nord­schach­tes. Auf dem Ge­län­de der Ze­che Os­ter­feld 1/3 prä­sen­tier­te sich 1999 die Lan­des­gar­ten­schau „Ol­ga“ (D. Ku­sen­berg, Os­ter­feld – ei­ne Hei­mat­ge­schich­te, 2000, S. 73f.)
1891 ist ein För­der­schacht der Ze­che Os­ter­feld mit 998 Ar­bei­tern in Be­trieb (StaOb Amt O 46)
1911 zählt die Ze­che Os­ter­feld in drei För­der­schäch­ten 4622 Ar­bei­ter. Die Ze­che ist vor dem Ers­ten Welt­krieg die grö­ß­te in Os­ter­feld (ebd.)
1981 e­reicht die Ze­che Os­ter­feld mit 2,8 Mio. Ton­nen die höchs­te För­der­leis­tung (G. He­ger­mann, Stein­koh­len­berg­bau in Ober­hau­sen 1847-1992, 1995)

Kokereien

1879 Bau der Ko­ke­rei der Ze­che Os­ter­feld (StaOb Amt O 46); 1988 Still­le­gung
1906/8 Bau der zur Ze­che Von­dern ge­hö­ren­den Ko­ke­rei Von­der­ort (ebd. S. 11); 1932 Still­le­gung 1911 ge­hört zu je­der Ze­che in Os­ter­feld je­weils ei­ne Ko­ke­rei. Die Ko­ke­rei für die Ja­co­bi­schäch­te be­fin­det sich in Pla­nung (ebd.)
1917 Bau der Ko­ke­rei Ja­co­bi (ebd. S. 12), 1918 In­be­trieb­nah­me; 1984 Still­le­gung

Tab. 7: Förderleistung und Beschäftigte im Steinkohlenbergbau in Osterfeld 1880-1930. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

5. 4 Gewerbe und Industrie

1495 Zim­mer­mann (Rei­mann, S. 86)
1516 Mau­rer­meis­ter (Schet­ter, Re­ges­ten, S. 226)
(1750) le­ben die Men­schen in Os­ter­feld vor­nehm­lich vom Acker­bau und üben Hand­wer­ke im Ne­ben­er­werb aus (Bal­le­strem, S. 27)
1805 Fuhr­un­ter­neh­men in Os­ter­feld (STAM Vest Reck­ling­hau­sen Land­stän­de 426 fol. 2f.)
1850-1900 Grün­dung ei­ni­ger Bren­ne­rei­en und Braue­rei­en, die sich al­le nicht hal­ten kön­nen (StaOb Amt O 42)
1853 drei Bier­braue­rei­en so­wie ei­ne Ei­sen­hüt­te (St. An­t­o­ny) in Os­ter­feld mit 70 Ar­bei­tern und de­ren 293 Fa­mi­li­en­mit­glie­dern; 1858: 80 Ar­bei­ter, 335 Fa­mi­li­en­mit­glie­der, 1860: 69 Ar­bei­ter, 187 Fa­mi­li­en­mit­glie­der (Sta Bot­trop A V 2 1 fol. 99f., 136, 177, 192)
1889 geht die Stell­ma­che­rei mit Dampf­be­trieb von B. Hüs­ken mit durch­schnitt­lich fünf Ar­bei­tern in Be­trieb (StaOb Amt O 42)
1893 Dampf­schrei­ne­rei F. Korz mit 10-15 Ar­bei­tern (ebd. 46)
1899 Dampf­zie­ge­lei Thei­le­mei­er, Zie­gel­stra­ße, mit ca. 30-50 Ar­bei­tern ge­grün­det (ebd.); vor 1921 Still­le­gung (vgl. Ta­fel 1.2, Ge­bäu­de­nut­zung 1921)
1911 ge­hört zu den Ze­chen Os­ter­feld und Von­dern je­weils ei­ne Am­mo­niak­fa­brik (StaOb Amt O 46)
1911 Zie­ge­lei im Be­sitz der Ze­che Os­ter­feld (ebd.)

5. 4 Metallverhüttung und -verarbeitung

1824 wird in der still­ge­leg­ten Öl­müh­le an der Em­scher ein Walz­be­trieb ein­ge­rich­tet. Au­ßer­dem stel­len drei Ar­bei­ter Ofen­pfei­fen her (PfaO 404 S. 24); 1835 Still­le­gung und Um­zug in das neue Walz­werk nach Ober­hau­sen (H. Reif, Die ver­spä­te­te Stadt, 1993, S. 19)

St. Antony-Hütte

Der Be­ginn der Ei­sen­ver­hüt­tung im Raum Os­ter­feld da­tiert auf das Jahr 1741, als Franz von der Wen­ge vom Köl­ner Erz­bi­schof die Er­laub­nis er­hielt, zwi­schen Os­ter­feld und Buer nach Ei­sen­stein (Ra­sen­ei­sen­stein) zu gra­ben (Bohl­mann, Os­ter­feld, S. 6). 1753 ver­gab der Erz­bi­schof an Wen­ge zu­dem die Kon­zes­si­on zum Bau ei­ner Ei­sen­schmel­ze mit Hüt­te und Ham­mer­werk ((Ha­wicks, S. 487f.)). Os­ter­feld bot sich aus 3 Grün­den für die Ei­sen­ver­hüt­tung an: 1. gab es dort gro­ße Men­gen an Ra­sen­ei­sen­stein. Die­ser la­ger­te höchs­tens 1 m un­ter der Er­de und war bis zu 30 cm dick. 2. ga­ran­tier­ten die um­lie­gen­den Wald­ge­bie­te (Es­sen, Bot­trop, Sterk­ra­de) die Zu­fuhr von Holz­koh­le. 3. sorg­te der ge­stau­te Elp­bach für ei­ne si­che­re Zu­fuhr von Was­ser­kraft für den An­trieb des Hoch­ofen­ge­blä­ses, der Ham­mer- und Poch­wer­ke. Au­ßer­dem dien­te er als Wasch­was­ser für das Erz. Hin­zu kam die Mög­lich­keit des Ab­baus von Form­sand in Os­ter­feld, Kirch­hel­len und Bot­trop (V 3 Form­s­and­ab­bau).
Be­reits 1753 be­gann Wen­ge mit dem Bau der Hüt­te, der je­doch durch ei­nen Rechts­streit mit dem Klos­ter Sterk­ra­de, das sich we­gen ei­ge­ner Fi­sche­rei­rech­te um die Was­ser­gü­te des Elp­ba­ches sorg­te, noch im glei­chen Jahr ge­stoppt wur­de. Erst nach ei­nem Ur­teil des Dors­te­ner Ge­rich­tes konn­te der Bau der Hüt­te 1757 fort­ge­setzt wer­den (LAV NRW R Sterk­ra­de Akt 49 fol. 114-157). Be­reits 1758 wur­de die Hüt­te erst­mals in Be­trieb ge­nom­men, je­doch währ­te die Hüt­ten­kam­pa­gne auf­grund von Ab­satz­schwie­rig­kei­ten nicht lan­ge. Die 2. Kam­pa­gne er­folg­te 1762 (Bal­le­strem, S. 93-98)
Ab 1771 ver­pach­te­te Wen­ge die Hüt­te. Be­son­ders Eber­hard Pfand­hö­fer führ­te sie 1779-83 zu ei­ner ers­ten Blü­te, da er die Nie­der­lan­de als ei­nen Markt für Ka­no­nen­ku­geln und an­de­re Ei­sen­wa­ren für das Werk er­schloss. Als Pfand­hö­fer im be­nach­bar­ten Sterk­ra­de die Hüt­te „Gu­te Hoff­nun­g“ grün­de­te, nahm er auch sei­ne Han­dels­kon­tak­te mit in das preu­ßi­sche Her­zog­tum Kle­ve. Doch nicht nur die Grün­dung der Hüt­te in Sterk­ra­de, auch die Kon­kur­renz durch die Hüt­te Neu-Es­sen in Es­sen setz­te der An­t­o­ny-Hüt­te zu. 1790 ver­kauf­ten die Er­ben des Franz von der Wen­ge die Hüt­te gleich zwei­mal an Pfand­hö­fer und an die Hüt­ten­ge­werk­schaft Neu-Es­sen des Stifts Es­sen. Nach ei­nem Rechts­streit wur­de Pfand­hö­fer 1796 Päch­ter, floh je­doch be­reits 1798 we­gen Ver­schul­dung in die Nie­der­lan­de. Von die­sem Zeit­punkt an be­wirt­schaf­te­te Gott­lob Ja­ko­bi die Hüt­te und mo­der­ni­sier­te sie (ebd., S. 161)
Be­reits 1753 be­gann Wen­ge mit dem Bau der Hüt­te, der je­doch durch ei­nen Rechts­streit mit dem Klos­ter Sterk­ra­de, das sich we­gen ei­ge­ner Fi­sche­rei­rech­te um die Was­ser­gü­te des Elp­ba­ches sorg­te, noch im glei­chen Jahr ge­stoppt wur­de. Erst nach ei­nem Ur­teil des Dors­te­ner Ge­rich­tes konn­te der Bau der Hüt­te 1757 fort­ge­setzt wer­den (LAV NRW R Sterk­ra­de Akt 49 fol. 114-157). Be­reits 1758 wur­de die Hüt­te erst­mals in Be­trieb ge­nom­men, je­doch währ­te die Hüt­ten­kam­pa­gne auf­grund von Ab­satz­schwie­rig­kei­ten nicht lan­ge. Die 2. Kam­pa­gne er­folg­te 1762 (Bal­le­strem, S. 93-98)
Ab 1771 ver­pach­te­te Wen­ge die Hüt­te. Be­son­ders Eber­hard Pfand­hö­fer führ­te sie 1779-83 zu ei­ner ers­ten Blü­te, da er die Nie­der­lan­de als ei­nen Markt für Ka­no­nen­ku­geln und an­de­re Ei­sen­wa­ren für das Werk er­schloss. Als Pfand­hö­fer im be­nach­bar­ten Sterk­ra­de die Hüt­te „Gu­te Hoff­nun­g“ grün­de­te, nahm er auch sei­ne Han­dels­kon­tak­te mit in das preu­ßi­sche Her­zog­tum Kle­ve. Doch nicht nur die Grün­dung der Hüt­te in Sterk­ra­de, auch die Kon­kur­renz durch die Hüt­te Neu-Es­sen in Es­sen setz­te der An­t­o­ny-Hüt­te zu. 1790 ver­kauf­ten die Er­ben des Franz von der Wen­ge die Hüt­te gleich zwei­mal an Pfand­hö­fer und an die Hüt­ten­ge­werk­schaft Neu-Es­sen des Stifts Es­sen. Nach ei­nem Rechts­streit wur­de Pfand­hö­fer 1796 Päch­ter, floh je­doch be­reits 1798 we­gen Ver­schul­dung in die Nie­der­lan­de. Von die­sem Zeit­punkt an be­wirt­schaf­te­te Gott­lob Ja­ko­bi die Hüt­te und mo­der­ni­sier­te sie (ebd., S. 161)
Mit dem En­de des An­ci­en Ré­gime und der Sä­ku­la­ri­sa­ti­on gin­gen die Es­se­ner und die Os­ter­fel­der Hüt­ten­wer­ke an Gott­lob Ja­ko­bi und die Brü­der Franz und Ger­hard Ha­ni­el. Über Hein­rich Huys­sen kam 1808 auch noch die Hüt­te Gu­te Hoff­nung an die Hüt­ten­ge­werk­schaft, die nun­mehr Hüt­ten­ge­werk­schaft und Hand­lung Ja­co­bi, Ha­ni­el & Huys­sen (JHH) hieß (Ha­wicks, S. 494)
Nach dem Tod Ja­co­bis 1823 über­nahm der ehe­ma­li­ge Haus­leh­rer Wil­helm Lueg die Lei­tung der Hüt­te. Auf­grund des Erz­man­gels, der trotz Zu­kauf aus dem Hes­si­schen nicht be­ho­ben wer­den konn­te, war nur noch ein Ofen in Be­trieb. Die Still­le­gung der Hüt­te so­wie ihr Ab­bruch war un­ver­meid­lich und er­folg­te be­reits 1820. Sie wur­de im glei­chen Jahr in ei­ne Pa­pier­müh­le um­ge­wan­delt, aber auch die­se ren­tier­te sich nicht und be­stand nur sechs Jah­re. Man ent­ließ die Be­leg­schaft und bau­te ei­nen Hoch­ofen, er­wei­ter­te die Ge­bäu­de und leg­te ei­ne Dampf­ma­schi­ne an. Ab 1827 dien­te die Hüt­te wie­der als Hoch­ofen­werk (PfaO 404; V 4 Müh­len). Zu­nächst er­folg­te durch ei­nen Auf­trag des Kö­nig­reichs Preu­ßen um­1830 ei­ne er­neu­te Blü­te der Hüt­te. Da­nach ging die Pro­duk­ti­on deut­lich zu­rück. 1843 wur­de die Ver­hüt­tung end­gül­tig be­en­det (Bohl­mann, S. 8). Le­dig­lich die Gie­ße­rei so­wie die Röh­ren­dre­he­rei pro­du­zier­ten mit Roh­ei­sen, das nun an­ge­lie­fert wur­de, wei­ter. Meist wur­de in den Be­triebs­stät­ten Ka­no­nen­ku­geln und sons­ti­ge mi­li­tä­ri­sche Pro­duk­te er­zeugt. Hoch­pha­sen der Pro­duk­ti­on wa­ren noch­mals die Kriegs­jah­re 1864, 1866 und 1870 (Ha­wicks, S. 495). 1877 wur­den auch die­se Pro­duk­ti­ons­zwei­ge still­ge­legt, da die Hüt­te oh­ne Bahn­an­schluss nicht kon­kur­renz­fä­hig war (Bohl­mann, S. 10). 1880 be­gann der Ab­bruch der Be­triebs­ge­bäu­de mit Aus­nah­me des Wohn­hau­ses an der An­to­ni­stra­ße.
(1760) ar­bei­ten ca. 30 Per­so­nen in der St. An­t­o­ny-Hüt­te, 1805 60 Ar­bei­ter (PfaO 404 S. 21f.)
1793 be­schwe­ren sich Ein­ge­ses­se­ne aus Sterk­ra­de beim Land­ge­richt, dass durch das Wa­schen des Ei­sen­steins der Bach so ver­schmutzt wer­de, dass das Wa­schen dar­in und das Trän­ken des Viehs mit dem Was­ser un­mög­lich wür­de, au­ßer­dem die Nut­zung der Fisch­tei­che und der Müh­len, da die Tei­che ver­schlamm­ten. Der Bach wird ganz roth gelb­lich und schlech­ter­dings zu je­dem Ge­brauch un­taug­lich (STAM Kft Köln Hof­rat Vest. Sa­chen 241 fol. 225-228)
1798 kom­men die für den Be­trieb be­nö­tig­ten Koh­len­fäs­ser vor al­lem aus dem Es­se­ner Wald und wer­den durch Bot­tro­per Fuhr­leu­te zur Hüt­te ge­lie­fert (PfaO 1405)
1808 ar­bei­ten ins­ge­samt 300 Per­so­nen in den drei Hüt­ten­wer­ken der JHH (ebd. 404 S. 23)
1816 pro­du­zie­ren 78 Ar­bei­ter 10.125 Zent­ner Guss­wa­ren al­ler Art (STAM Ober­präs. 2811/1); 1828 = 52 Ar­bei­ter (ebd. 669); Um 1830 = 100 Ar­bei­ter (PfaO 1405)
1847 er­hält die Hüt­te ei­nen Schürf­schein über 500 Klaf­ter Stein­koh­len (Sta Bot­trop A; V 2, 4)

Walzwerke Oberhausen

1833 wird im Zu­ge der Ka­nal­ar­bei­ten an der Em­scher zwecks Nut­zung des um­ge­lei­te­ten Was­sers mit der Er­rich­tung ei­nes Pud­del- und Walz­werks be­gon­nen (PfaO 404 S. 28)
1845 ar­bei­ten zahl­rei­che Ar­bei­ter aus Os­ter­feld in den Walz­wer­ken der JHH in Ober­hau­sen (ebd. S. 35)
1902 ar­bei­ten im Blech­walz­werk der GHH (En­de des 19. Jh. an­ge­legt) ca. 100 Ar­bei­ter (StaOb Amt O 46)
1911 ar­bei­ten im Grob­blech­walz­werk (Teil der Walz­wer­ke Ober­hau­sen) 465 Ar­bei­ter aus Os­ter­feld (ebd.)

5. 4 Werks- und Privatbahnen

1847 Bau ei­ner Werks­bahn der JHH (GHH) vom Walz­werk an der Em­scher zur Es­se­ner Stra­ße. 1855 wer­den die bis­her ge­nutz­ten Holz­wa­gen durch Lo­ko­mo­ti­ven er­setzt (Prak­ti­kus 1959, S. 51)
1879 wird die Kon­zes­si­on für ei­ne Pfer­de­bahn von der Sand­gru­be des Gra­fen von Nes­sel­ro­de (Dick­mann und Klei­ne­fenn) zum Bahn­hof der West­fä­li­schen Bahn an der Wall­stra­ße er­teilt; 1884 Still­le­gung (Bohl­mann, Os­ter­feld, S. 10)
1884 er­folgt der An­schluss der Sand­gru­be in Von­der­ort (Dick­mann und Klei­ne­fenn) an die Rhei­ni­sche Bahn; 1892 Um­rüs­tung auf 600 mm Loks; Um 1950 Still­le­gung (Hell­mann, Form­s­and­grä­be­rei)
1913-28 Bau der An­schluss­bah­nen von Schacht 4 und den Ha­ni­el-Schäch­ten der GHH (StaOb Amt O 766); 1927-29 He­bung der Hüt­ten­bahn mit Über­füh­rung der Ober­hau­se­ner Stra­ße (ebd. 768)

Gebäudenutzungskartierung Osterfeld von 1921 im Verhältnis 1 : 7.500, Entwurf Helmut Rönz, Kartographie Esther Weiss und Martina Schaper. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

Tab. 9: Fabriken und gewerbliche Anlagen in Osterfeld 1816 und 1921. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

Tab. 10: Erwerbsstrukturen der Stadt Osterfeld 1926. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

 

5. 4 Mühlen

1405 und 1424 ge­hört ei­ne Müh­le zum Gut Von­dern (La­cour, S. 99, 102)
1424 Müh­len­stät­te an der Kob­ben­borch, ver­mut­lich ei­ne Müh­le am Müh­len­bach bei der Kop­pen­burg (ebd., S. 102)
1429 ge­hö­ren zwei Korn­müh­len zum Gut Von­dern (ebd.)
1449 wird ei­ne Müh­le im Be­sitz des Gu­tes Von­dern ge­nannt. Sie liegt na­he dem Gut im Be­reich des Kirch­spiels Os­ter­feld (ebd., S. 106)
1450 Kob­ber­mo­le (ebd., S. 107f.)
1511 Müh­le auf der Em­scher, ver­mut­lich ei­ne Was­ser­müh­le, im Be­sitz des Her­zogs von Kle­ve (La­cour, S. 113)
1734 Korn­müh­le im Nor­den von Os­ter­feld (PfaO 1239)
1793 ist durch das Wa­schen des Ei­sen­steins oder –grunds durch die St. An­t­o­ny-Ei­sen­hüt­te die Nut­zung der Müh­len nicht mög­lich, da die Tei­che ver­schlam­men (STAM Kft Köln Hof­rat Vest. Sa­chen 241 fol. 225-228)
1813 drei Müh­len in Von­der­ort (STAM Zi­vil­gou­ver­ne­ment zwi­schen We­ser u. Rhein 343a)
1820 wird die St. An­t­o­ny-Hüt­te ab­ge­bro­chen und in ei­ne Pa­pier­müh­le um­ge­wan­delt (PfaO 404 S. 23)
1822 Bau ei­ner Öl­müh­le so­wie ei­ner Loh­müh­le an der Em­scher; 1824 Still­le­gung (ebd., S. 23f.)
1823 und 1853 drei Korn­was­ser­müh­len in Os­ter­feld (Sta Bot­trop AV 2 1 fol. 7, 99f.)
1825 drei Müh­len, Bu­kenn­müh­le am El­pen­bach, Von­dern­müh­le an der Em­scher und Kop­pen­burg­müh­le am Kop­pen­burg­müh­len­bach (Ta­fel 3)
1885 je ein Wind-, Was­ser- so­wie Dampf­müh­le in Os­ter­feld (Sta Bot­trop A V 2, 6)

5. 4 Kreditinstitute

1892 Spar­kas­se der Ge­mein­de Os­ter­feld (STAM Reg. Müns­ter IV-24-70). 1929 Spar­kas­se Ober­hau­sen
1897 Spar- und Kre­dit­ge­nos­sen­schaft für Hand­wer­ker und Ge­schäfts­leu­te (StaOb Amt O 42)
1905 wird der Spar- und Bau­ver­ein in Os­ter­feld ge­grün­det = 2007 Rhei­nisch-West­fä­li­sche Bau­ge­nos­sen­schaft (Bohl­mann, Os­ter­feld, S. 11) 
1911 Bank­fi­lia­le der Bank Küs­ter, Ull­rich und Co. Glad­beck in Os­ter­feld, au­ßer­dem ein Spar- und Kre­dit­ver­ein mit 47 Mit­glie­dern und ein Spar- und Bau­ver­ein mit 327 Mit­glie­dern (StaOb Amt O 46)
1924 Bau des Spar- und Stadt­kas­sen­ge­bäu­des (Bohl­mann, Os­ter­feld, S. 12)

5. 4 Druckereien und Zeitungen

1892 Grün­dung des Os­ter­fel­der An­zei­gers für Os­ter­feld, Ei­sen­heim, Von­der­ort und Klos­ter­hardt. Die Dru­cke­rei sitzt in Sterk­ra­de (StaOb Amt O 200)
1902 Grün­dung der Buch­dru­cke­rei und Ver­lag P. J. Spies, ers­ter Buch­dru­cker in Os­ter­feld (ebd. 190)
1902 Os­ter­fel­der Zei­tung (ebd. 297)
1904 Ge­ne­ral-An­zei­ger für Ober­hau­en, Sterk­ra­de, Os­ter­feld, Bot­trop und Um­ge­bung (ebd. 190)
1919 drei Buch­dru­cke­rei­en (ebd. 880)

Gemeindekarte von Osterfeld von 1825/67 im Verhältnis 1 : 14.000, Verkleinerung, Originalmaßstab 1 : 10.000, Angefertigt durch Katastergeometer Döllinger. Berichtigungen (rote Einträge) bis einschließlich September 1867. (Stadt Oberhausen, Vermessungs- und Katasteramt)

 

5. 5 Wirtschaftliche und soziale Gesamtentwicklung

Grund­la­ge der Wirt­schaft des Rau­mes Os­ter­feld wa­ren vom Mit­tel­al­ter bis Mit­te des 19. Jh. die Land­wirt­schaft, ins­be­son­de­re der Ge­trei­de­an­bau (Rog­gen, Ha­fer, Wei­zen). Aber auch Fi­sche­rei in der Em­scher und den Fisch­tei­chen am Elp­bach so­wie die Vieh­wirt­schaft (Rin­der-, Schwei­ne- und Schaf­zucht) wa­ren be­deu­tend (vgl. ins­ge­samt V 2). Da­bei wa­ren die Bö­den des Kirch­spiels von über­wie­gend ge­rin­ge­rer Gü­te, was vor al­lem an drei Fak­to­ren lag: 1. wur­de der Wert der Bö­den an man­chen Stel­len stark durch den vor­han­de­nen Ra­sen­ei­sen­stein ge­min­dert. 2. eig­ne­ten sich die sump­fi­gen Bruch­land­schaf­ten nur sel­ten und nach­ran­gig für den Ge­trei­de­an­bau, und 3. wa­ren die Hö­hen­la­gen des Kirch­spiels durch ei­ne eben­falls we­nig frucht­ba­re Hei­de­land­schaft ge­prägt. In den Hei­de­be­rei­chen wur­de so­mit, wenn über­haupt ei­ne Nut­zung mög­lich war, Wie­sen­wirt­schaft be­trie­ben, wäh­rend der An­bau von Klee und Raps nur auf den we­ni­gen bes­se­ren Bö­den ge­lang. Ge­trei­de, hier vor al­lem Rog­gen und Wei­zen, we­ni­ger Gers­te, wur­de vor­nehm­lich in den we­ni­gen frucht­ba­re­ren Be­rei­chen der Hei­de an­ge­baut, dort, wo Mer­g­els­chich­ten Acker­wirt­schaft be­güns­tig­ten (hier­zu: PfaO 404 S. 2). Ins­be­son­de­re die mer­gel­hal­ti­gen Bö­den för­der­ten den An­bau der so­ge­nann­ten Rog­gen­wur­zel, die lan­ge Zeit ei­nes der Haupt­er­zeug­nis­se in Os­ter­feld war, und dort so­wohl Vieh als auch Mensch als Nah­rung dien­te (ebd.)
Grund­sätz­lich ist ein Nord-Süd­ge­fäl­le der Bo­den­qua­li­tät zu ver­zeich­nen, so dass die er­trag­reichs­te Wie­sen- und Acker­wirt­schaft in der Nä­he der Em­scher statt­fand. An der Em­scher war auch die ef­fek­tivs­te Milch- und Vieh­wirt­schaft mög­lich. Die Holz­wirt­schaft (vor al­lem Kie­fer­holz) war im Nor­den des Kirch­spiels, im Rothe­busch und am Ki­cken­berg, aber auch in an­de­ren Wald­ge­bie­ten (By­fang, Von­der­berg) von Be­deu­tung (ebd., S. 3)
Al­ler­dings war die von Ge­wäs­sern durch­zo­ge­ne Land­schaft im Nor­den der Em­scher für die Müh­len­wirt­schaft gut ge­eig­net, die bis weit in das 19. Jh. in Os­ter­feld be­deu­tend war. Ge­trei­de­müh­len sind dort seit An­fang des 15. Jh. be­zeugt, 1426 wa­ren zwei Korn­müh­len an der Em­scher so­wie am Müh­len­bach bei der Kop­pen­burg in Be­trieb. Wei­te­re Müh­len ka­men hin­zu, so ei­ne Öl­müh­le 1822 und die Pa­pier­müh­le am Elp­bach 1820. Noch 1885 wa­ren in Os­ter­feld drei Müh­len in Be­trieb (V 4 Müh­len)
Be­reits um 1830 pro­fi­tier­te das noch land­wirt­schaft­lich ori­en­tier­te Os­ter­feld von der ein­set­zen­den In­dus­tria­li­sie­rung in Sterk­ra­de, Ober­hau­sen und vor al­lem Mül­heim. Be­son­ders der ge­werb­li­che Han­del voll­zog sich über die ves­ti­schen Stra­ßen, so dass der Zwi­schen­han­del mit Nah­rungs­mit­teln (But­ter, Ei­er, Ge­mü­se, Heu, Kar­tof­feln, Ge­trei­de aber auch Obst) die Wirt­schaft in Os­ter­feld zu ei­nem Auf­schwung ver­half. Hin­zu kam, dass zahl­rei­che Ar­bei­ter aus Os­ter­feld in den um­lie­gen­den Hüt­ten­be­trie­ben Ar­beit fan­den und durch ver­gleichs­wei­se ho­he Ta­ge­löh­ne zur Ver­bes­se­rung der wirt­schaft­li­chen wie so­zia­len Si­tua­ti­on der Be­völ­ke­rung so­wie der an­de­ren Bran­chen, be­son­ders der Land­wirt­schaft, bei­tru­gen (PfaO 404 S. 35). So be­rich­tet et­wa der Bot­tro­per Bür­ger­meis­ter be­reits 1830 von ei­nem un­ge­wöhn­li­chen Wohl­stand und ei­nem ge­werb­li­chen Ver­kehr in Os­ter­feld, der in we­ni­gen Ge­mein­den sei­nes­glei­chen hat und nennt als Grün­de un­ter an­de­rem die Ei­sen­hüt­ten in Sterk­ra­de, Ober­hau­sen und Os­ter­feld (Muh­le, S. 77)
Die Be­rufs- und Ge­wer­be­ta­bel­len 1816-40 zei­gen eben­falls für das frü­he 19. Jh. noch deut­lich das Über­wie­gen der Land­wirt­schaft (ein­schlie­ß­lich Knech­ten, Mäg­den und Ta­ge­löh­nern; V 4). 1850 wur­den mehr als 40 % der Flä­che der Ge­mein­de Os­ter­felds als Acker- oder Wei­de­land ge­nutzt; wei­te­re 20 % als Hol­zungs­land. Bis 1926 sank der An­teil der land- und forst­wirt­schaft­lich ge­nutz­ten Flä­chen un­ter 35 % (V 2 Bo­den­nut­zungs­ta­bel­len). Mit die­ser Ver­än­de­rung ging ein Wan­del der Be­schäf­tig­ten­struk­tur ein­her. 1970 wa­ren nur 0,4 % der Be­schäf­tig­ten in der Land­wirt­schaft tä­tig, 65,7 % da­ge­gen im pro­du­zie­ren­den Ge­wer­be.
Die Fi­sche­rei­wirt­schaft war in Os­ter­feld bis weit in das 19. Jh. ver­brei­tet, denn so­wohl an der Em­scher als auch na­he der An­t­o­ny-Hüt­te wur­den Fi­sche­rei­be­zir­ke ver­pach­tet bzw. ge­nutzt. Aber auch die Be­deu­tung der Fi­sche­rei­wirt­schaft sank be­reits im Ver­lauf des 18. Jh. mit der Er­rich­tung der An­t­o­ny-Hüt­te so­wie der Hüt­ten­wer­ke in Ober­hau­sen und an der Em­scher (V 2 Fi­sche­rei).
Im re­gio­na­len Han­del tra­ten Os­ter­fel­der Kauf­leu­te bis An­fang des 19. Jh. nicht auf. 1816 nen­nen die Quel­len nur vier Händ­ler aus Os­ter­feld (V 4 Ge­wer­be­ta­bel­len). Os­ter­feld war kein Markt­ort, so dass da­von aus­zu­ge­hen ist, dass nur der re­gio­na­le Han­del bis En­de des 18. Jh. für die Os­ter­fel­der Wirt­schaft ei­ne ge­rin­ge Rol­le spiel­te. Erst mit der er­wähn­ten In­dus­tria­li­sie­rung in den um­lie­gen­den Kom­mu­nen kam es zu ei­nem Auf­schwung im Han­del, so dass die An­zahl der Händ­ler und Kauf­leu­te bis um 1830 auf 12 stieg. Al­lein neun wa­ren Vik­tua­li­en­händ­ler. Mit dem Ver­lust des Vieh­mark­tes an Bot­trop 1826 ging je­doch ein Be­deu­tungs­ver­lust von Os­ter­feld als Nah­markt ein­her, der bis um 1870 an­hielt. Ein neu­er­li­cher Auf­schwung des Han­dels er­folg­te in der In­dus­tria­li­sie­rungs­pha­se, als sich nach 1876 Wo­chen- und Jahr­märk­te eta­blier­ten, die vor al­lem der Ver­sor­gung der durch den Berg­bau schnell an­wach­sen­den Be­völ­ke­rung dien­ten (III 2 Markt)
Der ge­werb­li­che Sek­tor war bis Mit­te des 18. Jh. kaum oder gar nicht ver­tre­ten (ebd.). Ein ers­ter ge­werb­li­cher Auf­schwung setz­te erst mit der Er­rich­tung der St. An­t­o­ny-Hüt­te ein (V 4). Auch wenn die Ar­bei­ter­zahl bis 1816 ma­xi­mal 50-100 be­trug, die Hüt­te häu­fi­ger von Still­le­gung be­trof­fen war und der Kon­kur­renz­druck durch die Hüt­ten in Sterk­ra­de und Neu-Es­sen zu­nahm, hat­te die Hüt­te für den Ort gro­ße wirt­schaft­li­che Be­deu­tung, da sie den Ein­woh­nern durch Zu­lie­fe­rer- und Fuhr­diens­te zu­sätz­li­che Ein­nah­me­quel­len er­öff­ne­te. Vor al­lem die Bau­ern konn­ten mit der Su­che und Lie­fe­rung von Ra­sen­ei­sen­stein ih­re kar­gen Ein­künf­te ver­meh­ren (STAM Vest Reck­ling­hau­sen Statt­hal­ter 721). Die Köh­le­rei­en, die die Hüt­te mit Holz­koh­le be­lie­fer­ten, wa­ren we­ni­ger in Os­ter­feld, son­dern vor al­lem in Es­sen, Sterk­ra­de und Bot­trop zu fin­den. Auch die Koh­len­fuh­ren er­folg­ten nicht nur durch Fuhr­leu­te aus Os­ter­feld, son­dern spe­zi­ell aus Bot­trop (PfaO 1405; V 4 St. An­t­o­ny-Hüt­te). Al­ler­dings wur­den Sand­fuh­ren häu­fig von Os­ter­fel­der Fuhr­leu­ten vor­ge­nom­men. Der Sand dien­te als Form­sand für die Gie­ße­rei (STAM Vest Reck­ling­hau­sen Land­stän­de 426 fol. 2f.). In der Hoch­pha­se der St. An­t­o­ny-Hüt­te 1830-35 war sie zu­nächst der zen­tra­le Wirt­schafts­fak­tor für Os­ter­feld. Ins­be­son­de­re grö­ße­re Waf­fen- bzw. Mu­ni­ti­ons­lie­fe­run­gen an Preu­ßen führ­ten zu ei­ner so­li­den Ge­schäfts­la­ge. Die­se Po­si­ti­on ver­lor sie be­reits nach 1835 an die Hüt­te und das Walz­werk in Ober­hau­sen, wel­che der Os­ter­fel­der Be­völ­ke­rung als zu­neh­mend wich­ti­ger Ar­beit­ge­ber dien­ten
Mit­te des 19. Jh. be­gann der ra­san­te Auf­stieg der Ge­mein­de Os­ter­felds selbst als In­dus­trie­stand­ort. Er ba­sier­te auf drei Säu­len: Der Stein­koh­le, der Ei­sen­bahn so­wie der Stein­koh­len­ver­ed­lung und der Zu­lie­fe­rer­in­dus­trie. Der Stein­koh­len­berg­bau be­gann be­reits um 1870 den Rang in Os­ter­feld ein­zu­neh­men, den vor­mals die Ei­sen­in­dus­trie ge­habt hat­te. Os­ter­feld wur­de in­ner­halb we­ni­ger Jahr­zehn­te zu ei­nem be­deu­ten­den Berg­bau­stand­ort. Ers­te Ver­su­che der Nut­zung von Stein­koh­le als En­er­gie­trä­ger für die Ei­sen­ver­hüt­tung wa­ren schon in der St. An­t­o­ny-Hüt­te vor­ge­nom­men wor­den, je­doch nicht er­folg­reich. 1847 wur­den die ers­ten Kon­zes­sio­nen zur Stein­koh­len­ge­win­nung ver­ge­ben. Die Pla­nung für Koh­len­ab­bau be­gann knapp 10 Jah­re spä­ter, 1858, als an meh­re­ren Stel­len in Os­ter­feld nach Koh­le ge­sucht wur­de (PfaO 404 S. 274). 1873 war der Teuf­be­ginn des zu­nächst zur von der GHH be­wirt­schaf­te­ten Ze­che Ober­hau­sen ge­hö­ren­den Schachts Ober­hau­sen 3b. Ihm folg­ten nach der Selb­stän­dig­keit der Ze­che 1888 in den Jah­ren bis 1921 drei wei­te­re Schäch­te (Ta­fel 1.2, Ge­bäu­de­nut­zung 1921; V 3 Koh­len­berg­bau). 1905 folg­te die Ein­rich­tung der Ze­che Von­dern, 1912 die der Ze­che Ja­ko­by (ebd.). Be­reits 1905 för­der­te die Ze­che Os­ter­feld mehr als 1 Mio. Ton­nen Stein­koh­le. 1911 wa­ren in den drei gro­ß­in­dus­tri­el­len Be­trie­ben in Os­ter­feld (Ze­chen Os­ter­feld und Von­dern so­wie dem Grob­blech­walz­werk Ober­hau­sen) mehr als 7.000 Men­schen be­schäf­tigt, da­von al­lein 4.622 Ar­bei­ter in der Ze­che Os­ter­feld (1891: 998) (StaOb Amt O 46). Die höchs­te Ab­bau­quo­te er­reich­te die Ze­che Os­ter­feld 1980 mit 2,6 Mio. Ton­nen För­der­leis­tung. Die meis­ten Mit­ar­bei­ter zähl­te die Ze­che 1955 mit 8.109 Ar­bei­tern und An­ge­stell­ten. Zwi­schen 1905 und 1929 för­der­te das Berg­werk im Schnitt zwi­schen 1,1 Mio. und 600.000 Ton­nen Stein­koh­le. Die Ze­che Ja­ko­by er­reich­te ih­re höchs­te För­der­leis­tung 1965 mit knapp 2,4 Mio. Ton­nen Stein­koh­le. 1950 hat­te die Ze­che ei­ne Be­leg­schaft von mehr als 5.000 Ar­bei­tern und An­ge­stell­ten. Bis 1929 wur­den im Schnitt 300.000-700.000 Ton­nen ge­för­dert. Die Be­leg­schafts­zahl lag bei 1.000-2.000 Ar­bei­tern und An­ge­stell­ten. Die Ze­che Von­dern war die kleins­te der drei Os­ter­fel­der Ze­chen. Sie för­der­te 1917 die Höchst­men­ge von 685 000 Ton­nen Koh­le. 1925 zähl­te sie 2.209 Mit­ar­bei­ter (zu den Zah­len: G. He­ger­mann, Stein­koh­len­berg­bau in Ober­hau­sen 1847-1992, 1995). Ins­ge­samt wa­ren in der Hoch­pha­se des Os­ter­fel­der Berg­baus mehr als 8.500 Men­schen in den drei Ze­chen be­schäf­tigt. 1910 zähl­ten die Ze­chen ins­ge­samt knapp 7.000, 1925 ca. 8.500 Ar­bei­ter und An­ge­stell­te (in­klu­si­ve der an­ge­schlos­se­nen Ko­ke­rei­en und sons­ti­gen Fa­bri­ken; ebd.)
Mit der An­la­ge von För­der­schäch­ten ging die Er­rich­tung von Ver­ed­lungs­an­la­gen ein­her. Zwi­schen 1879 und 1917 wur­de bei je­der Ze­che ei­ne Ko­ke­rei er­rich­tet; au­ßer­dem pro­du­zier­ten zwei Am­mo­niak­fa­bri­ken so­wie ei­ne Zie­ge­lei für die GHH in Os­ter­feld (StaOb Amt O 46). Eben­so nahm der Form­s­and­ab­bau ei­nen Auf­schwung in Os­ter­feld, Bot­trop und Kirch­hel­len (IV 3)
Der 3. zen­tra­le Fak­tor für die ge­werb­lich-in­dus­tri­el­le Ent­wick­lung des Stand­or­tes Os­ter­feld war die Ei­sen­bahn. 1873 wur­de der Ran­gier­bahn­hof Os­ter­feld-Süd in Be­trieb ge­nom­men. 1879 er­folg­te die Er­rich­tung des West­fä­li­schen Bahn­hofs so­wie des Bahn­hofs Os­ter­feld-Nord. Da­mit hat­te der Ort mit nur 4.000 Ein­woh­nern drei Bahn­hö­fe auf sei­ner Ge­mar­kung, die von meh­re­ren Ge­sell­schaf­ten be­trie­ben und an­ge­fah­ren wur­den. Os­ter­feld war ein zen­tra­ler Ei­sen­bahn­kno­ten­punkt an Rhein und Ruhr und wur­de bis zur Jahr­hun­dert­wen­de zum wich­tigs­ten des Ruhr­ge­biets. Ins­be­son­de­re der Ran­gier- und Sam­mel­bahn­hof Os­ter­feld, in Ver­län­ge­rung zum Bahn­hof Os­ter­feld-Süd, ent­wi­ckel­te sich nach der Neu­an­la­ge durch die KPEV zwi­schen 1891 und 1911 zum grö­ß­ten Bahn­hof in Preu­ßen und Haupt­um­schlag­platz für In­dus­trie­gü­ter. Al­lein 1906 wur­den 773.000 Wag­gons in Os­ter­feld um­ge­schla­gen, 1914 wa­ren es so­gar 2 Mio (ebd.). Um 1911 wa­ren 1.513 Per­so­nen bei den Os­ter­fel­der Bahn­hö­fen so­wie den Ei­sen­bahn­wer­ken be­schäf­tigt. 1926 ar­bei­te­ten fast 10.000 Per­so­nen in den Sek­to­ren In­dus­trie, Dienst­leis­tung (Ei­sen­bahn) und Ge­wer­be
Die In­dus­tria­li­sie­rung in Os­ter­feld führ­te zu ei­nem be­trächt­li­chen An­wach­sen der Be­völ­ke­rung. Zwi­schen 1837 und 1906 stieg die Be­völ­ke­rung von 694 auf 23.700 Ein­woh­ner an. 1950 zähl­te Alt-Os­ter­feld 54.583 Ein­woh­ner, 1970 nur noch 49.865. Wur­den die meis­ten Be­diens­te­ten der Ei­sen­bahn im Wes­ten an­ge­wor­ben, so be­dien­te sich die GHH vor­nehm­lich auf dem Ar­beits­markt im Os­ten des Rei­ches, vor al­lem in den mehr­heit­lich pol­nisch­spra­chi­gen Pro­vin­zen so­wie in Schle­si­en und Ost­preu­ßen. Dies hat­te nicht zu­letzt Aus­wir­kun­gen auf die So­zi­al­struk­tur des Or­tes. 1913 be­trug der An­teil der Kin­der mit frem­der Mut­ter­spra­che an den Os­ter­fel­der Schu­len zum Teil mehr als 40 % (Os­ter­feld-Süd 49,8%; Von­der­ort 50,9%). Die­se be­such­ten fast aus­schlie­ß­lich die ka­tho­li­schen Schu­len. An den evan­ge­li­schen Sys­te­men be­trug der An­teil le­dig­lich 0-3,5% (PfaO 2423 S. 12). Stell­te der Os­ter­fel­der Pfar­rer Ter­lu­nen noch An­fang des 19. Jh. ei­nen Auf­schwung des Or­tes durch die ho­hen Löh­ne der Me­tall­ar­bei­ter beim Walz­werk Ober­hau­sen fest, so hat­te das Amt Os­ter­feld nach 1891 im­mer mehr mit Seu­chen (vor al­lem Lun­gen­krank­hei­ten, StaOb Amt O 46) und Ar­mut zu kämp­fen. Das 1877 er­rich­te­te Ar­men­haus in Os­ter­feld reich­te 1891 lan­ge nicht mehr aus, so dass 1902 ein neu­es er­rich­tet und be­reits 1906 aus­ge­baut wer­den muss­te (ebd. 171). Im glei­chen Jahr ba­ten meh­re­re Berg­manns­fa­mi­li­en um ei­nen Platz im neu er­rich­te­ten Ar­men­haus (ebd. 166). 1911 rich­te­te die Stadt ei­ne Lun­gen­für­sor­ge­stel­le ein, eben­so ei­ne Sa­ni­täts­ko­lo­nie (StaOb Amt O 46). Die Ver­hält­nis­se ver­bes­ser­ten sich in den fol­gen­den Jah­ren nach­hal­tig – ins­be­son­de­re auch hin­sicht­lich Hy­gie­ne, so­zia­ler Be­din­gun­gen und Bil­dung der Ar­bei­ter­kin­der. Ins­be­son­de­re in die­sem Be­reich wur­de die Kom­mu­ne ver­eint mit den Kir­chen und der GHH nach­hal­tig tä­tig (IV 6 Ar­men­we­sen; IV 11).
Die Ent­wick­lung des Stand­or­tes Os­ter­feld führ­te zu ei­ner im Ruhr­ge­biet ty­pi­schen Mo­no­struk­tu­rie­rung des Wirt­schafts­rau­mes. Wirt­schaft­li­che Schwie­rig­kei­ten bei der GHH, Ra­tio­na­li­sie­run­gen, die Koh­le­kri­se und in der Fol­ge Schlie­ßung der Berg­wer­ke be­ein­träch­tig­ten den Stand­ort und die So­zi­al- und Wirt­schaft­struk­tu­ren nach­hal­tig. So setzt die Stadt Ober­hau­sen seit den 1990er Jah­ren zu­neh­mend auf ei­ne brei­te­re Streu­ung ih­rer wirt­schaft­li­chen Grund­la­gen, ins­be­son­de­re auf mit­tel­stän­di­sches Ge­wer­be, Ein­zel­han­del und Dienst­leis­tung – auch im Os­ter­fel­der Raum. Die Ab­lö­sung der al­ten städ­ti­schen Zen­tren durch die Neue Mit­te Ober­hau­sen na­he dem al­ten Os­ter­fel­der Zen­trums ist ein Bau­stein im groß an­ge­leg­ten Struk­tur­wan­del, der noch nicht ab­ge­schlos­sen ist.

5. 6 Maße und Gewichte

Hohlmaße

(1491) Mal­ter Bot­tro­per Ma­ßes, desgl. 1501 und 1540 (Schet­ter, Re­ges­ten, S. 222f., 231)
1509 Mal­ter Os­ter­fel­der Ma­ßes, desgl. 1535 und 1540 (ebd., S. 225, 230)
1571 gilt auch das Dins­la­ke­ner Maß in Os­ter­feld (ebd., S. 234)
Im Vest Reck­ling­hau­sen wa­ren vor al­lem drei Hohl­ma­ße ge­bräuch­lich, das Reck­ling­häu­ser Maß, das Dors­te­ner Maß so­wie das Waltro­per Maß (Burg­hardt, S. 436f.). Das Os­ter­fel­der und das Bot­tro­per Maß wa­ren ver­mut­lich an die drei gän­gi­gen Ma­ße an­ge­lehnt. Über das Vo­lu­men der bei­den re­gio­na­len Ma­ße lie­gen kei­ne An­ga­ben aus äl­te­rer Zeit vor.

Feldmaß

13. Jahr­hun­dert gel­ten im Vest die köl­ni­schen Feld­ma­ße: 1 Schef­fel Land = 104 Ru­ten; 1 Ru­te = 16 Fuß. Der köl­ni­sche Mg ist nicht ge­bräuch­lich (Sta Reck­ling­hau­sen HAA II G 60 fol. 4)
1790 1 Schef­fel, 1 Vier­tel und 20 Ru­ten = 1 köl­ni­scher Mg (Burg­hardt, S. 440)
1847 ist das im Stein­koh­len­ab­bau ver­wen­de­te Län­gen­maß in Os­ter­feld der preu­ßi­sche Klaf­ter = 1,88 m (Sta Bot­trop A V 2, 4)

Gebäudenutzungskartierung Osterfeld von 1921 im Verhältnis 1 : 7.500, Entwurf Helmut Rönz, Kartographie Esther Weiss und Martina Schaper. (LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte)

Plan der Stadt Osterfeld von 1921 im Maßstab 1 : 13.000, Vergrößerung, Originalmaßstab 1 : 15.000, Angefertigt durch Amtsbauführer H. Lochtmann. (Stadtarchiv Oberhausen)

 
Zitationshinweis

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Rönz, Helmut, Rheinischer Städteatlas Osterfeld. Teil 5: Wirtschafts- und Sozialstruktur, Statistik, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Orte-und-Raeume/rheinischer-staedteatlas-osterfeld.-teil-5-wirtschafts--und-sozialstruktur-statistik/DE-2086/lido/5ce7ed076801f6.74330404 (abgerufen am 09.08.2022)

Auch über Rheinischer Städteatlas Osterfeld (Oberhausen), bearbeitet von Helmut Rönz (Lieferung XVII, Nr. 91, 2008)